Heimat und Brauchtum im Westerwald

Herzlich Willkommen !
Viele alte Bräuche haben sich gewandelt oder sind verschwunden. Neues Brauchtum hat im Westerwald Einzug gehalten, z.B. das Aufstellen eines geschmückten Bäumchens anlässlich der Geburt eines Kindes. Außer dem Brauchtum im Lebenslauf oder im Lauf eines Jahres gab und gibt es vielfältige Gewohnheiten, die als Äußerungen und Spiegelbild des Volkslebens zuerkennen sind, und die es verdienen, aufgezeichnet zu werden. 

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(zur Zeit kein Arbeitskreisleiter)
bei Fragen bitte an:


Wilfried Göbler 
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Fragebogen zum Volksleben und Brauchtum im Westerwald. 
Bitte drucken Sie sich diesen Fragebogen aus, er wird Ihnen eine wichtige Hilfe bei der Erforschung Ihrer Ortsgeschichte sein, und wird nach Bearbeitung für die Sammlung der GfH im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg erbeten. 
(erstellt von Karl Kessler)  -->>>


Vortrag weckte Erinnerungen an alte Zeit
Karl Kessler sprach über altes Westerwälder Volksleben und Brauchtum 
(Bericht aus der Westerwälder Zeitung)  ..>>>

Trachten aus dem Westerwald  >>>

Förderung der Heimatverbundenheit, Pflege des Brauchtums  >>>
von Studiendirektor Paul Solbach
( Aus: "Der Westerwald", 1998 Heft 1)


Weihnachtsbrauchtum im Westerwald
Weihnachten bringt eine Fülle von Bräuchen, die dazu beitragen, die Feststimmung zu vertiefen. Der Heilige Abend im Familienkreis gehört für viele Menschen zu den schönsten Stunden des Jahresfestkreises. An den Bräuchen des Abends halten viele Familien seit Generationen fest. 
Ursprünglich war die Bescherung die Aufgabe des volkstümlichsten Heiligen der Adventszeit, des St. Nikolaus. Dieser Brauch hat sich daraus gebildet, dass er die Kinder für ihren Fleiß beim Beten und Lernen mit „Apfel, Nuss und Mandelkern“ belohnte. 
So war der Nikolaustag am 6. Dezember der Tag der Gabenbescherung. Nach dem Willen der Reformatoren sollte diese Aufgabe das Christkind übernehmen, das aber nicht mit dem Jesuskind gleichzusetzen war, sondern ein engelartiges Wesen war, das von einem Erwachsenen dargestellt wurde. So kam es, dass in protestantischen Gegenden das Christkind, weiß gekleidet und mit Schleier, oft auch mit Krone und Engelsflügeln versehen, am Heiligen Abend die Kinder bescherte. Der Bearbeiter kann sich noch gut erinnern, es mag 1941 gewesen sein, er war damals 5 Jahre alt, wie eine weiß gekleidete Gestalt an die verglaste Wohnzimmertür klopfte, ein paar mahnende Worte sprach, die Tür ein wenig öffnete und durch den Spalt Weihnachtsgebäck, Äpfel und Nüsse als Gabe auf den Stubenboden legte. Am ersten Weihnachtstag überraschte er seine Eltern mit der Aussage "Dot Chröskennche harren Schtömm wie Kührde Polinsche! " ( „Das Christkind hatte eine Stimme wie die Nachbarin Pauline Weber!“)
Der Schmuck der Weihnachtsstube war der Weihnachtsbaum. Bäume und insbesondere immergrüne Bäume hatten für die Menschen in alter Zeit eine ganz besondere Bedeutung. Sie waren Sinnbild für das Leben; in ihnen lebten gute Geister, die Schutz boten vor dem Bösen. Zur Feier der Wintersonnenwende versinnbildlichte das Tannengrün die Hoffnung auf einen neuen 

Frühling, auf Wärme und Leben. Ein wenig von diesen Gedanken lebt noch, wenn wir auch heute zur Weihnachtszeit Geschenke mit Fichtenzweigen versehen. Auch in der Redensart kommt es zum Ausdruck: wer auf keinen grünen Zweig kommt, dem fehlt der Schutz der guten Geister und damit auch das Glück. Man wählte für dieses Brauchtum wohl Tannen, weil die Tanne als besonderer Baum galt: Immergrün, sich nach oben verjüngend, drückt sie die Hoffnung des Lebens mitten im Winter aus. Der Weihnachtsbaum hieß in der Mundart des Hohen Westerwaldes „Chrösbaam“, und weil er ursprünglich mit blattgoldüberzogenen Hasel- oder Walnüssen geschmückt wurde, gab man ihm auch den Namen „Nössebeemsche“.

Eine elsässische Chronik berichtet, dass man im Jahre 1509 in Straßburg Tannenbäume in den Stuben aufstellte und mit Äpfeln, kleinen Kuchen und Zuckerware schmückte. Erst spät kam der Weihnachtsbaum allgemein in die Familien, in Deutschland erst im 19. Jahrhundert.
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts - so ist es überliefert – holte man einen Wacholderstrauch, eine „Wachhecke“, von der Viehweide, den man wie oben geschildert schmückte. Seit um 185o setzte sich im Westerwald die Fichte, das „Dennsche“, durch, die, obwohl es längst verboten war, heimlich, still und leise wenige Tage vor Weihnachten aus dem Wald geholt wurde. Das mittelalterliche Recht, dass der Wald jedermann gehört, war lange lebendig geblieben. Bis weit in unser Jahrhundert hinein stellte man den „Chrösbaam“ in ein kleines Gärtchen, das mit einem grün und weiß angestrichenen Lattenzäunchen umgeben war. Es stellte den Paradiesesgarten dar, denn die Geburt des „neuen“ Adam, Jesus Christus, sollte gefeiert werden. Um 1850 war höchstens ein rübölgespeistes Grubenlämpchen, auch Frosch genannt, hinter dem „Nössebeemsche“ aufgestellt, das der Stube einen schummerigen Schein verlieh.
Doch mit der Zeit hat sich auch der Weihnachtsbaum verändert. Die vergoldeten Nüsse gerieten als Baumschmuck in Vergessenheit. In der Westerwälder Zeitung vom 22.November 1891 wurde schon Christbaumkonfekt angeboten. Bald kamen Kugeln, Vögel, Watte, Strohsterne, Engelshaar und Holzfigürchen hinzu. Gar die Wachskerzen, die nicht nur Kinderaugen aufleuchten ließen, sind zum Teil durch das kalte Licht elektrischer Lichterketten abgelöst worden.

Karl Kessler 


Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 05.11.16