Geotope im Westerwald 
    Beiträge von Karl Kessler u. Eberhard Klein (2005)
Was ist ein Geotop
Geotope im Westerwald
Geotope u. archäologische Denkmäler

Geotopvernetzung im Westerwald
Geoland Westerwald
Den Stein ins rollen bringen

Karl Kessler
Geotope, Denkmäler und Besucher-Informationszentren
Könnten die Steine im Westerwald reden, so hätten sie viel zu erzählen. (2005)


Ein Geopark enthält umfasst Landschaften und Landschaftsteile mit geologischem Naturerbe, aber auch mit archäologischem, ökologischem, historischem und kulturellen Erbe von überregionaler Bedeutung.

Geotop und archäologisches Denkmal zugleich:

Wildweiberhäuschen
I
m Aubachtal oberhalb von Langenaubach liegt die Wildweiberhaus-Klippe aus oberdevonischen Iberger Riffkalk. Am Gesteinsaufbau waren Stromatoporen und Korallen, die auffälligsten Makrofossilien, beteiligt.
Während der letzten Eiszeit - vor rund 20 000 Jahren – kam es zu starken Stürmen, die große Mengen Staub mit sich brachten, der als Lößlehm zu Boden sank. So auch am Wildweiberhäuschen. Unzählige Knochen eiszeitlicher Tiere sind im Lößlehm verborgen. Es fanden sich Bruchstücke von Geweihen junger Rentiere, die im Windschatten des Felsens ihr Geweih abwarfen. Dazu kamen Knöchelchen von Moor- und Alpenschneehühnern. Es folgen Reste von Nagern einer trockenen Kaltsteppe. Sie stammen aus Gewöllen eiszeitlicher Eulen, die in dem Felsen ihr Quartier hatten. 
Die unverdaulichen Reste ihrer Mahlzeiten sanken in den Lößlehm und blieben darin durch den nahen Kalk erhalten. Aus der Waldzeit stammen noch Knochen von starken Hirschen, Höhlenbären und Wollhornnashorn.
Kulturelle Hinterlassenschaften von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter wurden im Bereich des Wildweiberhäuschens entdeckt.


Dornburg – keltisches Oppidum
Mächtige Steinwälle sind verstürzte Reste einer eisenzeitlichen Stadtmauer, die an der wenig steilen Nordseite und als Wallansatz im Südosten der Dornburg zwischen Wilsenroth, Frickhofen und Langendernbach noch erhalten sind. Leider hat der Basaltabbau etwa 17 ha der ursprünglich insgesamt 37 ha umwehrter Fläche des Oppidums unwiederbringlich zerstört. 

Dornburg - Siedlungsplateau
Wenige archäologische Grabungen im Bereich der Umwallung erbrachten bemerkenswerte Bodenfunde, darunter einige keltische Münzen, sog. Regenbogenschüsselchen.

Dornburg - Ewiges Eis
Außer den kulturgeschichtlichen Überresten und großen Aufschlüssen der Basaltsteinbrüche beeindruckt das „Ewige Eis“ unterhalb dem mit Basaltrosseln bedeckten Südhang. Hinzu kommt, wie beim Ketzerstein. eine Abweisung der Kompassnadel.



NSG Malberg

Der Malberg, 422 ü. NN, bei Moschheim ist der durch seine weithin sichtbare Kuppe und seine Ebenmäßigkeit beeindruckentste Berg des Westerwaldes, der auch vulkanischem Ursprungs ist. Wahrscheinlich ist das Gestein bereits sehr zähflüssig gewesen, als es in Tuffe eindrang. Dies zeigt sich deutlich an den Schlieren, die durch die Verwitterung an den Felsen deutlich hervortreten. Teilweise liegen sie kreuz und quer nebeneinander! Ob es bis an die Erdoberfläche gekommen ist, lässt sich an den Aufschlüssen nicht entscheiden. Das Gestein, ein phonolithischer, alkalireicher Trachyt wurde an der Südwestflanke in zwei Steinbrüchen abgebaut. In den Gesteinen wurden die Minerale Sanidin, Nosean, Hornblende und Magneteisen nachgewiesen. Das abgebaute Material diente bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Glasherstellung in Wirges. Als Ausgangspunkt für eine Malbergwanderung bietet sich der Waldparkplatz an der K 144 zwischen Moschheim und Leuterod an.
(Foto Karl Kessler)

Geschichte und Sage
Drei Wallführungen auf der Kuppe umschließen eine späteisenzeitliche Höhensiedlung, die wiederholt dürftig archäologisch untersucht wurde. 
Eine erste Unterschutzstellung aus geologischen und landeskundlichen Gründen erfolgte bereits 1927.
Imposante Felsbildungen zeigen zum Teil weite höhlenartige Spalten, die klangvolle Namen wie „Wildweiberhaus“, „Teufelsfelsen“ und „Geiersteine“ tragen. So wundert es nicht das sich Sagen um den Malberg ranken. So soll er eine alte Dingstätte des Engersgaues und in der Vorzeit auch ein heiliger Berg gewesen sein. Der Malstein, der dort liegt und auf dem man oben noch eine Rinne erkennen will, ist, wie man sich erzählt, ein Opferstein gewesen. In der Nähe liegt der Ahnstein und gegenüber der Hexensprung, sowie auch eine enge Felsspalte, darin soll die „weiße Hexe“ gehaust haben. Nach einer anderen Sage wohnten vorzeiten einmal drei schlimme Weiber darin, die als Hexen galten, die ganze Gegend abbettelten, allerlei Unfug trieben und dann plötzlich verschwanden. Zuzeiten hört man am Malberg des Nachts ein gewaltiges Getöse, ein Brausen und Krachen, dazu ein Wiehern, Bellen, Krächzen und Schreien, dass es Menschen und Tieren angst und bange wird. Dann ziehe der wilde Jäger auf die Jagd, sagt man, oder auch die „weiße Hexe“ fahre aus.


Bornkasten-Wall mit Funden
Der Bornkasten bei Nomborn ist ein alter durch einen Steinbruch gestörter Basaltkegel. Er war als Höhensiedlung wohl schon von der Urnenfelderzeit bis zur Latènezeit auf seiner weniger steilen Seite durch einen mächtigen Abschnittswall gesichert. Die Besiedlung reicht nach den Funden von Steinartefakten und charakteristischer Keramik bis in die Jungsteinzeit zurück.


Große und Kleine Steinkammer
Der Untergrund am Ostrand von Breitscheid-Erdbach und ein großer Geländeabschnitt zwischen Breitscheid und Erdbach wird von Kalkgestein eingenommen. Der sog. Iberg-Kalk besteht im wesentlichen aus Rifforganismen. Höhlen sind in Kalkgebieten keine Seltenheit. In den Steinkammer-Karsthöhlen kamen bemerkenswerte Funde von der Jungsteinzeit bis zur Frühlatènezeit ans Licht


Archäologische Denkmäler von überregionaler Bedeutung:

Dünsberg
Der Dünsberg zwischen Biebertal und Gießen im Osten des geographischen Westerwaldes trägt eine gewaltige Ringwallanlage mit drei konzentrischen Ringen, die zusammen 12 km lang und heute noch stellenweise 10 m hoch sind. Von den Kelten als Oppidum erbaut, wurde die Anlage von den germanischen Chatten weiter ausgebaut. Reichhaltige Bodenfunde über die Römische Kaiserzeit bis ins Mittelalter weisen auf eine nahezu andauernde Besiedlung hin. Ein Teil einer Pfostenschlitzmauer mit einem Torbereich wurde rekonstruiert. Andreas Kretz von der GfH leitet dort im Auftrag des LAD Hessen Ausgrabungen.


Steinkiste Niederzeuzheim
 
Wie weitere zwei Steinkistengräber von Niedertiefenbach und Oberzeuzheim ist das von Niederzeuzheim aus plattigen Felsstücken erbaut. Sie gehören alle der jüngeren megalithischen Wartbergkultur 3000 – 2800 v. Chr. an. Im Grab von Niederzeuzheim fand man 1954, nachdem das Grab schon vorher mehrmals durchwühlt worden war, Knochenreste von 25 Bestatteten. Hinzu kamen einige jungsteinzeitliche Steingeräte und jüngere Scherben. In jüngster Zeit wurde, nachdem man eine bis dahin nicht mehr bekannte Deckplatte gefunden hatte, vom Heimat- und Geschichtsverein Frickhofen in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Denkmalpflege Hessen wieder vorbildlich hergerichtet. (s. dazu auch -->>)
 

 

 


Steinkiste Oberzeuzheim - Hachenburg
Um einige bereits seit Jahrzehnten störende große Steine aus seinem gepachteten Acker zu beseitigen, stieß der Landwirt Berthold Horn aus Oberzeuzheim im Herbst 1985 auf weitere tieferliegende Steine in Plattenform und Knochen in großer Zahl. Er benachrichtigte die Grundstückseigentümer Maria und Emil Henkes in Salz von seinem Fund mit den Worten: Maria, eich hunn’e Grob gefunne, fifty, fifty! Horn hatte geglaubt einen Schatz unter den Steinen zu finden. Die Antwort auf eine Anfrage im Landschaftsmuseum Westerwald ergab den Hinweis auf ein weiteres Steinkistengrab im Limburger Becken. Die Steine befanden sich sämtlich nicht mehr in situ und waren, um wertvollen Ackerboden zu gewinnen, zu verschiedenen Zeiten in Verlochungsgruben versenkt worden. Niemand konnte sich mehr an das Grab erinnern, es war in Vergessenheit geraten.
Außer wenigen Tierknochen wurden grazile Menschenknochen (ein Schädel) von etwa 50 Bestatteten und eine einzige wohl von einer Bernsteinkette übrig gebliebene Perle gesichert. Immerhin für die Wissenschaftler ein „Schatz“, der von der Nordseeküste auf alten Handelswegen in den Westerwald gekommen war. Bis um Chr. Geb. kam der Bernstein ausnahmslos von der Westküste Jütlands und danach auch von der samländischen Küste. 
Die Ausgrabungsfläche wurde nach Beendigung der Untersuchungen wieder eingeebnet, nachdem der ursprüngliche genaue Zustand der Steinkiste sich nicht mehr feststellen ließ. Ein Landschaftsarchitekt hatte schnell Interesse an den mächtigen Steinen bekundet, das keine Unterstützung fand. Im guten Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Hessen wurden 19 Basaltplatten dem Landschaftsmuseum zur Umsetzung des Grabes in den Hachenburger Burggarten überlassen, zu der die Stadt vorher eingewilligt hatte. 
Überlegungen spielten dabei eine Rolle, wie man später einmal das nicht zum historischen Burggarten gehörende Gelände evtl. mit Nachbauten vorgeschichtlicher Haustypen ohne das der Baumbestand gefährdet wäre, attraktiv in Verbindung mit dem Museum gestalten könnte.
So gibt die Steinkiste von Hadamar-Oberzeuzheim am Landschaftsmuseum ein eindrucksvolles Bild jungsteinzeitlichen Bestattungswesens.


Glockenschachtpingen der Grube Scheid, Hilgert - Ransbach-Baumbach
Beim Untertageabbau wurde Ton ursprünglich, etwa seit dem 16. Jahrhundert, in einfachen Schächten abgebaut, aus denen sich dann Glockenschächte entwickelten. Die Schächte mit einem Durchmesser von 1 – 2 m trieb man bis auf das abbauwürdige Lager, dort wurden sie kugelförmig erweitert. 
Der Tonabbau im Glockenschacht wurde noch bis nach dem Ersten Weltkrieg betrieben. Dr. Birgit Häuser-Hildebrandt verdanken wir mit der hervorragenden Dissertation: "Auf den Spuren des historischen Tonbergbaus im Kannenbäckerland " auch die Vermessung, Kartierung und Beschreibung des Pingenfeldes der "Grube Scheid" in Hilgert


Besucherinformationszentren:

Landschaftsmuseum Westerwald, Hachenburg
Basaltpark Bad Marienberg
Tertiärpark Stöffel im Aufbau
Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen, Herdorf-Sassenr. 
Museum für Erd- und Vorgeschichte „Zeitsprünge“, Breitscheid-Erdbach 
Tonbergbaumuseum, Siershahn
Kristallhöhle Kubach, Weilburg-Kubach
Grube Fortuna, Solms-Oberbiel
Bergbaumuseum Weilburg
Villa Grün, Dillenburg
Keramikmuseum Westerwald, Höhr-Grenzhausen
Lahn-Marmor-Museum, Villmar
Mobiles Landschaftsmuseum, Hausen


Ein erstes Ziel ist erreicht, wenn den Menschen im Westerwald bewusst wird, dass sie in einer besonderen Landschaft mit einer spannenden Vergangenheit leben. Ich zitiere aus der Einladung: Die intensive Beschäftigung mit dem Boden unter den Füßen tut dem regionalen Selbstbewusstsein gut und wirkt identitätsstiftend. Nur dann können wir den Gästen überzeugend unsere Landschaft zeigen.

Die Erde und das Leben auf ihr sind einem ständigen Wechsel unterworfen. Die Zeugnisse ihrer Geschichte sind fast überall sichtbar. Man muss sie nur lesen und nutzen können.

Die Grenzen des Claims sind grob abgesteckt. Der Westerwald mit dem Lahntal bieten sich an. Der Schatz ist gefunden. Er muss nur noch gehoben werden. Bringen wir gemeinsam kreis- und länderübergreifend die kantigen Säulen, den Stein, ins Rollen und schaffen Hindernisse aus dem Weg.   - Karl Kessler 07.11.2005
 


Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 05.05.12