Er war eigentlich ein echter Westerwälder ...

Westerwälder Zeitung , Mittwoch , 20. 9. 2006 
Gensickes „Landesgeschichte" ist Standardwerk

Wichtigster Erforscher der Westerwälder Historie am Sonntag in Wiesbaden gestorben - Bis ins hohe Alter im Archiv präsent

WESTERWALDKREIS. Er war eigentlich ein echter Westerwälder, auch wenn er den größten Teil seines Lebens in Wiesbaden verbrachte. Dort" ist er am frühen Sonntagmorgen 89-jährig gestorben: Dr. Hellmuth Gensicke, der große Erforscher der Westerwälder und der Nassauer Geschichte.
Mit seinem 1958 erschienenen 660-seitigen Werk „Landesgeschichte des Westerwaldes" schuf er die wissenschaftlichen Grundlagen, auf die seither praktisch alle anderen Erforscher der regionalen Geschichte aufbauen konnten und mussten. Denn „der Gensicke" ist noch immer das Standardwerk! Hellmuth Gensicke wurde am 29. Juni 1917 als Sohn des Pfarrers von Alpenrod geboren. Sein Vater war mit dem Pfarrer und ebenfalls großen Heimatforscher Eugen Heyn befreundet. Mit der nach diesem benannten Medaille wurde Gensicke 1983 schließlich selbst ausgezeichnet.
Doch davor standen Studium der Geschichte, Germanistik und Volkskunde in Marburg, Königsberg, Bonn und Berlin; eine Kriegsverletzung, die den jungen Historiker ein Bein kostete; und die Dissertation, die er 1947 schrieb. Diese wurde zur Grundlage seiner „Landesgeschichte" und seines Forschens. Über mehrere Stationen kam Gensicke 1955 ins hessische Hauptstaatsarchiv nach Wiesbaden, als dessen Direktor er 1982 in den Ruhestand ging. Parallel dazu arbeitete der Wissenschaftler seit Anfang der 50er-Jahre bis in die jüngste Zeit an den „Nassauischen Annalen", des Jahrbuchs des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung mit, für die er vor allem Beiträge zur Orts-, Adels- und Kirchengeschichte sowie unzählige Buchbesprechungen schrieb. Zudem war er Vorsitzender der Familienkundlichen Gesellschaft für Nassau und Frankfurt. Im Westerwald trauern um ihn vor allem die Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald-Verein, der Verein selbst und die Geschichts- und Kulturwerkstatt Westerwald. Auch für die Schaffung des Landschaftsmuseums Westerwald hatte sich Gensicke einst im Vorfeld vehement eingesetzt.
Selbst in seinem „Un-Ru-hestand" ließ Gensicke die Regionalgeschichte nicht los. Jeden Mittwoch war er auch im hohen Alter noch im Staatsarchiv zu finden und half bereitwillig jedem, der kam und nach Archivalien suchte. Dabei kam ihm sein unglaubliches Gedächtnis zu Hilfe, in dem er offensichtlich sämtliche Personen und Daten aus der Geschichte des Nassauer Raumes gespeicherte hatte.
Stets freute er sich - so wird aus seiner Familie berichtet - wenn er einen seit langer Zeit überlieferten Forschungsfehler durch umfangreiche eigene Recherchen berichtigen konnte. Allen Ratsuchenden präsentierte er sich nicht als abgehobener Wissenschaftler, sondern als umgänglicher Mensch - ein echter Wäller eben. 
Markus Müller

Zum Foto: Schon 1983 erhielt Dr. Hellmuth Gensicke (rechts) für seine großen Verdienste um die Geschichte der ganzen Region aus der Hand des Westerwälder Landrats Dr. Norbert Heinen die Eugen- Heyn- Medaille. • Foto: Archiv Röder-Molderihauer

Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 20.09.06