Gab es jungsteinzeitliche Siedler im Hohen Westerwald?

Karl Kessler
Die Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald-Verein (GFH) berichtet von einer jungsteinzeitlichen Steinaxt, die in 628 m ü. NN in Stein-Neukirch, dem höchstgelegenen Dorf des Westerwaldes, bei Ausschachtungsarbeiten im Sommer 2002 entdeckt wurde. Das prächtige Werkzeug ist in einem hervorragenden Erhaltungszustand und mit Abstand das größte Exemplar, das bislang im Inneren des Westerwaldes gefunden wurde. Es ist 16,8 cm lang, 7,5 cm breit, 6,5 cm hoch und weist einen Lochdurchmesser von 2,3 cm aus. Wie weitere Steinaxtfunde, die von Hellenhahn-Schellenberg, Neustadt, Rennerod und Höhn-Oellingen bekannt geworden sind, ist auch die Steinaxt von Stein-Neukirch der Mittleren Jungsteinzeit vor ca. 4500 Jahren zuzuordnen. 

Bei dieser Fundkonzentration zwischen Bad Marienberg und Rennerod reihen sich die Fundstellen entlang der Wasserscheide auf. Nur wenig nördlich verläuft die ehemalige Fernhandelsstraße zwischen Köln und Leipzig. So könnten die Werkzeuge Zeugen eines Güteraustausches sein, bei dem der Hohe Westerwald schon früh eine Funktion als verkehrsgünstiges Durchgangsland besaß. Der Archäologe Nils Bantelmann rechnet in Anbetracht der klimatisch ungünstigen Höhenlage der Funde kaum mit einer rein bäuerlich geprägten Besiedlung. Es sei wahrscheinlicher, dass sich hier andeutungsweise Bevölkerungsgruppen abzeichnen, deren Erwerbsgrundlagen mehr auf Gütervermittlung als auf rein bäuerlicher Tätigkeit basierte. Neuere pollenanalytische Untersuchungen im Umfeld des Stegskopfes belegen allerdings dort mit Cerealien- Pollen Getreideanbau während der Jungsteinzeit.

Zu den Abbildungen: Fundpunkt der Steinaxt, Verschiedene Ansichten der asymmetrischen Steinaxt von Stein-Neukirch, Nahaufnahme der Gesteinsstruktur. 
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Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 04.01.06