Exkursion: Wölbäcker, Ackerterrassen, Hügelgräber
Zu einer außergewöhnlichen Exkursion hatte die Gesellschaft für Heimatkunde( GfH), eingeladen.  Treffpunkt war die Straßenunterführung unter ICE-Strecke und Autobahn zwischen Großmaischeid und Dierdorf-Giershofen. Jürgen Reusch aus Ransbach-Baumbach und Dieter Trautmann aus Astert konnten einer ansehnlichen Zahl von Interessenten viele Bodendenkmäler vorstellen.
Dabei waren die von Heinz und Ilse Preissing aus Rengsdorf 1997 entdeckten Wölbäcker (=gewölbten Äcker) wegen ihrer Seltenheit das bedeutendste Objekt.
Wölbäcker entstanden, als wegen der Art der alten Pflüge nur nach einer Richtung Furchen aufgeworfen werden konnten.
So entstanden lange gewölbte Ackerstreifen mit zweitiefen Gräben am Rand, welche auch die Entwässerung der Ackerfläche bewirkten. 22 dieser über100 m langen und bis 10 m breiten Streifen sind noch zu sehen.
In unmittelbarer Nähe geben ein Quelltopf sowie Einebnungen und regelmäßige Erdkannten einen Hinweis auf die Wohnplätze der Pflüger der Wölbäcker.
Im weiteren Verlauf der Exkursion konnten mehrere Köhlerplätze erkannt werden, wo im 18. und 19. Jahrhundert Holzkohle zur Erzverhüttung hergestellt wurde.


Immer wieder deuteten gut erkennbare Ackerterrassen auf das Wirken unserer Vorfahren hin. Beeindruckend war auch eine Wiesenbewässerungsanlage, deren Gräben gut sichtbar sind. Weiter Ackerterrassen an der Straße Stebach-Giershofen machen deutlich, dass diese Region stärker besiedelt gewesen sein muss, als sie es heute ist. Den Abschluss bildeten die letzten einer Vielzahl von Hügelgräbern aus der Bronzezeit, die mit Masse dem Autobahn- und ICE-Streckenbau zum Opfer gefallen sind.
Interessant war auch, dass einer der verbliebenen Grabhügel eine großen Trichter aufwies, der als Indiz für eine Raubgrabung angesehen werden kann.
Von dem Naturdenkmal, der großen Fichte mit über1 m Stammdurchmesser, war leider nur der imponierende Stumpf zu sehen, eine Folge von „Cynthia.“

Der Arbeitskreis Bodendenkmäler der GfH hat bisher seinen Schwerpunkt im Westerwaldkreis gehabt und bisher über 1200 Boden- und Kleindenkmäler aufgenommen.
Es wäre zu begrüßen ,wenn sich auch in der Verbandsgemeinde Dierdorf und ihren Nachbarn Heimatkundler fänden, die sich wie die Familie Preissing dieser wichtigen heimatkundlichen Aufgabe annehmen könnte.

Zu den Fotos:
1. Dieter Trautmann (vorn) und Jürgen Reusch,
2. Wölbacker mit Hinweistafel.

(Text und Fotos : Jutta Reusch)

Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 06.05.10