Heimat und Brauchtum im Westerwald

Westerwälder Zeitung vom 31.1.2006
Vortrag weckte Erinnerungen an alte Zeit

Karl Kessler, Mitarbeiter der Gesellschaft für Heimatkunde, sprach über altes Westerwälder Volksleben und Brauchtum

HÖHR-GRENZHAUSEN. Rund 120 Zuhörer kamen zu einem Vortrag über das Westerwälder Brauchtum, zu dem die Gesellschaft für Heimatkunde in Zusammenarbeit mit dem Westerwald-Verein Höhr-Grenzhausen ins Keramikmuseum Westerwald eingeladen hatte. Museumsleiterin Monika Gass und Karl Kessler freuten sich über das große Interesse. Volkskunde und Brauchtum von 1850 bis 1950 weckten in den Zuhörern alte Erinnerungen aus der eigenen Kinder- und Jugendzeit, oder an die Erzählungen, die sie von Oma und Opa gehört hatten.
In früherer Zeit hatten Bräuche einen sehr hohen Stellenwert, Feste übers ganze Jahr verteilt waren fester Bestandteil und oft Höhepunkte des Lebens: von Martini über Weihnachten, Neujahr, Dreikönig, Ostern, Maibräuche bis hin zur Kirmes.
In den Dörfern gab es alles, was zum Leben dazu gehörte, ob Schule, Kirche, der Kaufmann, die Post, der Schuster – alles lag dicht beieinander. Nicht zu vergessen sei aber auch, dass die „gute alte Zeit“ auch eine Zeit der Armut und Entbehrungen war. Eine Bilderschau ließ Vergangenes wieder lebendig werden. Karl Kessler wusste auch so manchen Spruch in Mundart aus Kindertagen, und der ein oder andere Gast sprach leise mit. Trachten in ihrer Vielfalt vorgestellt, waren die Volkskleidung von einst. Typische alte Westerwälder Häuser mit ihren unterschiedlichen Baustilen – Kleinhaus, Eindachhaus, Streckhof und Siegerländer Haus – sind noch vereinzelt den Dörfern anzutreffen. Bei einem Bild um 1900, das einen Ern zeigte, der früher Hausflur und Küche zugleich war, stand ein Geschirrschrank auf Stelzen. „Warum war das so?“ fragte Kessler. „Weil das Federvieh auch schon mal ins Haus lief und so ein wertvoller Geschirrschrank vom Schmutz bewahrt blieb.“ Vergoldete Nüsse schmückten den Weihnachtsbaum, der in einem kleinen Gärtchen stand, Neujährchen wurden mit einem Zangeneisen gebacken, ein Kränzchen aus „Gehannsbloome“ – Margariten hing als Schutz an Johanni über der Haustüre. Mit Inschriften an Türbalken der Häuser bat man Gott um Schutz vor Feuer und Brand. Heute fehlt oft die Hausnummer für die Erste Hilfe und der Mut, was man glaubt und für wichtig hält, ans Haus zu schreiben.
„Der Taschenrechner liegt in unseren Tagen schon in der Wiege und der PC wird schon oft viel zu früh missbraucht“, bedauerte sicher nicht nur Karl Kessler. 
Wer sich noch mehr altes Brauchtum, Handwerk und Häuser ansehen möchte, dem sei ein Besuch im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg zu empfehlen.
Zu den Abbildungen: 

Oben: Typisches Westerwälder Bauernhaus im schneereichen Winter 1930 in Rabenscheid. Foto: Karl Löber
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Rechts (hier nachtr. ergänzt):
Eine Überraschung, besonders für den Referenten Karl Kessler (2.v.l), war die Anwesenheit von Mitgliedern der Trachtengruppe Höhr-Grenzhausen.
 (Foto: Friedhelm Benner)

Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein