Im Grenzbereich von Wied- Sayn - Nassau

Bericht über die Exkursion 
des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) Puderbach  am 10.03.02

von Rüdiger Ramseger

Die erste Exkursion des Heimatkundlichen Arbeitskreises Puderbach fand am Sonntag, dem 10.3.02 als dreistündige Führung unter Leitung von Rüdiger Ramseger im Raum Lautzert- Oberdreis statt. 

Die Wanderung führte bei strahlendem Himmel zunächst entlang der Grenzregion Lautzert- Oberwambach , dabei wurde den Teilnehmern schnell deutlich, daß ein Zusammenhang von Höhenlinien, alten Straßenverläufen , einem vor 40 Jahren in der Gemarkung Oberwambach gefundenen Getreidereibstein aus Mayener Basalt und keltischen Hügelgräbern besteht. Diese Grabhügel wurden vor ca. 2400 Jahren errichtet und sind auf Grund ihres mehr oder weniger markanten Aussehens als Rundhügel mit einem Durchmesser von ca. 12-20 m doch gut zu erkennen . Die geschichtlichen Aspekte der keltischen Kultur, dieLebensweise, die bergbaulichen Interessen , die Sitten und Gebräuche dieses Volkes , die zum Teil bis heute noch fortbestehen, aber auch seine dunklen gewalttätigen Seiten ,wurden kurz erläutert .

Auf der Höhe des sogenannten "Vierherrensteines" erhielten die Besucher bei wunderschöner Sicht in den Oberwesterwald mit dem Hachenburger Schloß einen aufschlussreichen Einblick in die historischen Zusammenhänge vor ca. 500 Jahren, als die Kirchspiele Almersbach, Schöneberg und Höchstenbach, allesamt an der Wied gelegen, als Mitgift der wiedischen Prinzessin Johanna nach Sayn überwechselten und dadurch für die Grenzbewohner der Orte Lautzert, Rodenbach, Oberwambach und Neitzert erhebliche Probleme entstanden.

Von einem 50- jährigen Nebeneinander der Preußen und Nassauer bis 1866 geben zahlreiche Grenzsteine entlang der noch heute bestehenden Kreisgrenze zwischen Neuwied und jetzt Altenkirchen beredtes Zeugnis. Die Steine hatten oft auf der einen Seite ein K.P für Konigreich Preußen und auf der jenseitigen Seite ein H. N. für Herzogtum Nassau. 
Das nächst Bodendenkmal war eine noch sehr gut erhaltene und auch in den Akten des Landeshauptarchiv dokumentierte Landwehranlage zwischen Berod und Lautzert im Oberdreiser Wald. Diese hatte ursprünglich die Aufgabe zur Straßensicherung gegenüber der sehr stark belebten historischen Köln-Frankfurter-Straße, später wurde sie dann natürlich eine Territorialgrenze zwischen Wied und Sayn 

Auf einem hochmittelalterlichen Verhüttungsplatz deutet ein Schlackehügel im Walddistrikt "Läche" hin. Die Voraussetzungen: Holz für die Holzkohle, oberflächennahes Brauneisenstein, Wasser und Ton bzw. Lehm für die Rennöfen waren wie bspw. im Nachbarort Roßbach ausreichend vorhanden, nicht zuletzt eine ausgezeichnete Anbindung an das mittelalterliche Fernstraßennetz über die Höhen. Das genaue Alter des Schlackehügels müßte evtl. noch genauer geklärt werden.

Der Weg führte die Gruppe nun zu einem Naturdenkmal , dem "Beilstein", der vor ca. 20 Mio. Jahren im Tertiär während der Vulkantätigkeit im Westerwald aus der Tiefe als Bergkuppe heraustrat und dann im Laufe der Zeit sein Deckmaterial per Verwitterung verlor. Der Beilstein ist im Zusammenhang mit der Verwerfungslinie des Höhenzuges, wozu sicher der Oberdreiser Kopf, der Wilde Stein bei Hilgert und der Prangenberg zwischen Woldert und Elgert gehört, zu sehen.
Die Flur " In der Burg" im oberen Dreisbachtal zwischen Lautzert und Oberdreis könnte Standorte mittelalterlicher Fliehburgen gewesen sein, in die sich Mensch und Tier bei herannahender Bedrohung zurückziehen konnten.

Im nahen Oberdreis wartete schon Paul Schumann auf die Exkursions-Teilnehmer, die ganz gespannt darauf waren, das Gebäude, umgeben von alten Buchen Weiden und Linden und die Funktionselemente einer per Wasserkraft angetriebenen fast 300-jährigen Ölmühle kennen zu lernen. Durch die sehr engagierten und lebendigen Ausführungen von Paul Schumann konnte sich die Teilnehmer durchaus vorstellen, wie die Menschen in früherer Zeit aus Raps und Bucheckern Öl geschlagen haben. 

Mit der Besichtigung des Kulturdenkmales Oberdreiser Kirche , einem spätbarocken um das Jahr 1800 mit Teilen des alten Gebäudes errichteten Gotteshaus, wurde die letzte Station der anstrengenden Wanderung erreicht. Das seit 1556 evangelische Gotteshaus - vor der Reformation eine Peterskirche - erinnert in seinem Inneren mit seiner fast schmucklosen Ausgestaltung an die streng protestantisch -reformierte Haltung der Gemeinde in früherer Zeit, wo die Kanzel der Mittelpunkt der Wortverkündigung darstellt und der Gläubige weder durch Bilder noch sonstige Dinge abgelenkt werden sollte. Vor der Kirche erinnerte Heiner Feldhoff an den großen Sohn der Gemeinde , den Philosophen und Indologen Paul Deussen, dessen Grab sich unter der ehemaligen Linde in der Nähe des Kircheinganges befindet. (RR)


Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 23.04.02