Heimatkundliche Wanderung bei Höhr- Grenzhausen und Hilgert 

Krieg vor Augen und Sinnen

WWV Höhr-Grenzhausen machte heimatkundliche Exkursion - Historisches Schlachtfeld besucht.

Eine heimatkundliche Wanderung in die Umgebung der Stadt unternahm der Westerwald-Verein, Zweigverein Höhr-Grenzhausen und besuchte ein historisches Schlachtfeld.

HÖHR-GRENZHAUSEN. Jürgen Reusch aus Ransbach-Baumbach, Mitglied der Gesellschaft für Heimatkunde (GfH) im Westerwald, hatte eingeladen zu einem Vortrag an Ort und Stelle über die Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Höhr-Grenzhausen. Rund 70 Interessierte waren der Einladung des Westerwald, Vereins, Zweigverein Höhr-Grenzhausen gefolgt. Dabei ging es um Jan von Werth, einen kaiserlichen General.
Es sei damals um die Festung Ehrenbreitstein. Dort hatten die Schweden und Franzosen gelegen, denen es an Proviant mangelte. Sie sollten durch Aushungerung zur Übergabe gezwungen werden. Hessische Truppen hatten die Aufgabe, Verpflegung zur Ehrenbreitstein zu schaffen, was die Kaiserlichen unter der Führung von Jan von Werth zu verhindern suchten.

Die Gruppe des Westerwald-Vereins fand sich zusammen auf dem freien Feld zwischen der Grenzauer- und der Bendorfer Straße nordwestlich von Grenzhausen. Auf diesem Areal fand die Begegnung der Truppen statt, so dass sich hier auf anschaulichste Weise das Gefecht demonstrieren ließ. Reusch brachte fast als militärhistorischer Experte mit Kenntnis und Humor den kriegerischen Einsatz vor Augen und Sinne der Zuhörer.
So schilderte er anschaulich den eisigen Januarmorgen des Jahres 1637, als sich unter der Führung von Jan von Werth auf dem linksseitigen Hügel eine Reitergruppe formierte und später die Hessen aus den Nebelschwaden des Brexbachtales herauf kamen, die dann eine leichte Beute für die
anstürmenden Kaiserlichen wurden. Bildhaft in Einzelheiten stellte Reusch Szenen des Einsatzes dar, was sich als besonders eindrucksvoll angesichts der nahen Burg Grenzau erwies.
Wer sich retten konnte von den Hessen, wandte sich nach Osten mit Tross und Wagen, um sich in der Linderhohl - der heutigen Waldteichanlage - wieder aufzustellen und eine Wagenburg zu errichten, die Schutz und Rettung geben sollte. Auch ging die Gruppe dann zum Schwimmbad, wo Reusch anschaulich die Aufstellung der Wagenburg mit allem drum und dran erklärte. Doch auch in Richtung Linderhohl rückten die Kaiserlichen aus Westen kommend vor (heute Steuerwerke), so dass sich auch hier die Hessen nicht halten konnten. Sie flohen und zerstreuten sich weiter nach Osten.

Nun folgte ein weiteres interessantes Kapitel der Exkursion. Karl Ludwig Schmidt aus Hilgert, ebenfalls Mitglied der GfH, erklärte historische Verkehrswege rund um Höhr-Grenzhausen und gab Hinweise auf ehemalige Köhlerplätze in Bereich Seelbach. Anschließend führte er die Gruppe bachaufwärts zu einem Platz, an welchem eine ausgelassene Ortschaft aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg ausgewiesen ist. Lange wusste man nur legendenhaft von diesem Ort, der genaue Standort war selbst Experten nicht bekannt, denn Mauerreste waren nicht aufzufinden.

Auf seiner Spurensuche fand Schmidt aber eines Tages Scherben an einer Stelle, wo Bodenformationen eine ehemalige Siedlung auszuweisen schienen. Experten haben dann diese Stelle als Wüstung ausgewiesen. Auch Laien können besonders im Licht der tiefstehenden Sonne umrissartig Bodenränder ausmachen, wo einst ein größeres Haus gestanden haben könnte.

(Aus Westerwälder Zeitung vom:  22. 4. 2002)


Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 23.04.02