Arbeitsgemeinschaft:
Genealogie im Westerwald 


Wer bin ich und wo komme ich her ?

GfH Mitglied Wilfried Göbler referierte über Familienforschung 

Im Mittelpunkt der diesjährigen Jahresmitarbeiterversammlung der GfH im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg stand die Familienforschung. 
Die Vorstellung dieses Forschungsgebiets mit der Anleitung zum Einstieg in die praktische Arbeit hatte rund sechzig Interessenten angelockt.

GfH-Sprecher Karl Kessler konnte unter den Anwesenden die Landtagsabgeordnete Angela Schneider-Forst, den Geschäftsführer des Westerwald-Vereins, Aloisius Moll sowie Forstdirektor a. D. Claus Volkening, den Leiter des NaturschutzzentrumsWesterwald, Holler und den seit Jahrzehnten in der Genealogie des Raumes Bad Marienberg tätigen Dr. Karl Kempf begrüßen. Dem Vortrag ging eine Darstellung der Aktivitäten der GfH im Jahr 1998 voraus. Die Kartierung weiterer neunzig Bodendenkmäler sowie die Meldung von rund 250 Objekten an das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Koblenz, an die Forstdirektion Koblenz und an die Untere Denkmalschutzbehörde im Westerwaldkreis stehen für den Arbeitsschwerpunkt der GfH.

Mit dem Verein „Schutz einheimischer Natur" (SEN) in Rothenbach hat erstmals eine überwiegend Naturschutzzielen verpflichtete Gruppe die GfH bei der Wiederherstellung und Dokumentation historischer Grenzsteine unterstützt. Anlässlich der Übergabe der Dokumentation würdigte Karl Kessler das Engagement und überreichte als Dank und Anerkennung einen Scheck. Bei gleicher Gelegenheit dankte er vor der Versammlung dem WWV-Mitglied Theodor Fassbender, der eine gründliche und aufwendige Dokumentation der Kleindenkmäler in der Region seines Heimatortes Buchholz, Kreis Neuwied, vorlegte.

Es folgte der Vortrag von Winfried Göbler aus Rückeroth, einem Kenner auf dem Gebiet der Familienforschung und Genealogie, Mitarbeiter in mehreren einschlägigen Vereinigungen und Autor zahlreicher Beiträge in Fachzeitschriften.

Er stellte sein Referat, das die Geschichte und die Grundlagen der Familienforschung zum Inhalt hatte, unter das Motto „Passion und Profession". Damit plakatierte er kurz und treffend die Dimensionen eines familiengeschichtlichen Engagements. Die Passion brauchte er nicht zu erläutern: er selbst bezeugte sie beispielhaft während seines Vertrags. Über die älteste familiengeschichtliche Quelle, die Bibel, stellte Göbler seinen Zuhörern den Kern der Familienforschung sowie verwandte Wissenschaften und Forschungsfelder mit ihren jeweiligen Abgrenzungen vor. Dabei verschwieg er auch nicht, welche negativen Folgen die im 3. Reich verordnete „Sippenforschung" für die Gesamtdisziplin gezeigt haben. Seiner Bewertung nach hätten deswegen in Deutschland noch heute Genealogie und Familienforschung um Akzeptanz zu kämpfen. Der Unterschied der beiden Forschungsgebiete sei darin begründet, daß die Genealogie historisch-wissenschaftliche Zielsetzungen habe, während die Familienforschung mehr privaten Zwecken diene. Er verdeutlichte diese Unterscheidung an mehreren Beispielen.

Den der praktischen Anleitung zum Einstieg gewidmeten Teil seines Vertrages eröffnete er - überaus gründlich - mit der Begrenzung der Arbeit durch Rechtsvorschriften des Persönlichkeitsschutzes.
Er kam dann zu den Fragen, denen das Hauptinteresse der Zuhörer galt: wo finde ich Unterlagen, wie ordne und gewichte ich sie, wie stelle ich meine Forschungsergebnisse dar?
Bei seinen Vorschlägen für die Erschließung und Nutzung von Quellen fiel besonders auf, daß er die Arbeit in Kirchenbüchern und allgemeinen Archiven nicht an den Beginn der Aktivitäten setzte, sondern das Nachfragen in der Familie oder im Heimatort, das Auswerten von überkommenen Unterlagen in der Familie, z. B. Briefen, Kauf- und Versicherungsverträgen, Baugenehmigungen, Zeugnissen usw. sowie Ortschroniken. Dabei sei alles über Familie oder Familienmitglieder zu notieren, auch wenn manches weniger wichtig erscheine.
Natürlich sind die ab Mitte des 17. Jahrhunderts geführten Kirchenbücher als familiengeschichtliche Quellen von zentraler Bedeutung, doch bewahren auch die allgemeinen Archive eine Fülle von Angaben für den Familienforscher: Rechnungen und Verträge, Einwohnerlisten, Steuer- und Brandkataster, ferner Staats- und Adreßbücher, Stock- und Grundbücher, Protokollbücher der Gemeindevertretungen, kurz:
als Quellen zu nutzen sind alle schriftlichen Unterlagen, in denen personenbezogene Angaben enthalten sind.
Göbler erläuterte anhand von Beispielen, wie die Forschungsergebnisse aufzubereiten sind. Der vorgesehenen Thematik entsprechend und mit Rücksicht auf die fortgeschrittene Zeit wurde auf diese Unterlagen im Detail nicht mehr eingegangen. Sie sollen, wenn gewünscht, detailliert in einem sich für diese Arbeit engagierenden Personenkreis gesondert vorgestellt werden.
Jürgen Reusch

Aus: DER WESTERWALD, 1999 Heft 2


Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein