Arbeitsgemeinschaft
Geologie im Westerwald

Geotobe im Westerwald  
Beiträge von Karl Kessler u. Eberhard Klein, die hier im Jahr 2005 eingestellt wurden:

Was ist ein Geotop ? Geotope im Westerwald
Geotopvernetzung im Westerwald   [ mehr >>>  ]
Grundlage der Geschichte der Menschen im Westerwald ist die Entwicklung der Landschaft. Vielfältige Lebensräume haben sich im Laufe von Jahrmillionen entwickelt: Meeresräume mit Korallenbänke im Devon, weite Sümpfe und heftiger Vulkanismus im Tertiär, arktische Landschaften im Quartär.
Der Arbeitskreis „Geologie“ in der Gesellschaft für Heimatkunde (gegründet von Karl Kessler / Bad Marienberg) widmet sich der Entstehung des Westerwaldes. Dazu haben die Mitarbeiter des Arbeitskreises „Geo-Touren“ gegründet. Über „Geo-Touren“ können Sie die Geologie des Westerwaldes entdecken:


Regelmäßige Exkursionen zu Geotopen, Bergwerken und Steinbrüchen
Informationen zum Westerwald auf eigener Homepage ( www.geo-touren-westerwald.de )
Tagungen und Führung von Gruppen aus Deutschland und Europa
Publikationen zu geologischen Problemen

Es ist uns wichtig, im Kontakt zu den anderen Gruppen und Arbeitskreisen zu sein. Es gibt hier zahlreiche Überschneidungen! Ohne die Kenntnisse der Geologie ist kein Bergbau möglich, Hausbau und Verkehr sind abhängig von den landschaftlichen Gegebenheiten.

Wichtig ist uns ...
die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und den Museen im Westerwald.
der Geopark Westerwald-Lahn-Taunus.
die eigene wissenschaftliche Erforschung des Westerwaldes.
die Entwicklung von Ausstellungen in Museen und Heimatstuben.

Regelmäßig laden wir Forscher, Sammler, Museumsmitarbeiter und Mineralien-Händler zum gemeinsamen Informationsaustausch ein.

  Basaltmeiler im großen Steinbruch an der Dornburg (Foto: S. Funk)
                Basaltmeiler im großen Steinbruch an der Dornburg (Foto: S. Funk)

Novemberstimmung am Hohenseelbachskopf / Neunkirchen (Foto: E. Klein)
                Novemberstimmung am Hohenseelbachskopf / Neunkirchen (Foto: E. Klein)
 
  Interessiert an weiteren Informationen?  
  Eberhard Klein,
Dürerstraße 18
42119 Wuppertal
Tel.: 0151/721418321
E_Mail: geotouren@yahoo.de
Stephanie Funk
Neue Straße 17
56479 Westernohe
Tel.: 0175/7435118
geotouren@yahoo.de

Wiederentdeckung von Fossilien des Wildweiberhaus-Felsen bei Langenaubach  
Eine neue Form von „ urban mining “*! (Eberhard Klein)

Der Wildweiberhaus-Felsen bei Langenaubach ist eine klassische Lagerstätte von Fossilien aus dem ausgehenden Eiszeitalter (Pleistozän) des Westerwaldes.
Während der letzten Vereisungsphase (Weichsel) in Deutschland wurden am westlichen Fuß des Wildweiberhaus-Felsen mehrere Meter hoch Löss angeweht und zusammen mit durch Frost abgesprengte Steine vom Wildweiberhäuschen abgelagert.
Raubvögel (z.B. Eulen) jagten kleine Nagetiere und Vögel und würgten deren Knochen in ihren Gewöllen wieder aus. Diese zerfallenden Gewölle reicherten sich im Löss zusammen mit zahlreichen Rentiergeweihen an.
Der Löss wurde überdeckt von Bimsschichten, die durch den Vulkanausbruch des Laacher Sees genau datierbar sind. Dadurch können wir das Mindestalter der Fossilien auf 12.880 Jahren datieren (Litt et. al., 2007). Aufgrund der als Fossilien erhaltenen Tiere (z.B. Rentiere, Schneehühner, Lemminge, u.a.) sind wir auch in der Lage, die Landschaft, in denen diese gelebt haben, zu rekonstruieren (Jacobshagen, 1955). Im tieferen Teil des Profils ist eine sehr kühle Tundra, wie sie im nördlichen Sibirien zu finden ist, festzustellen, in der auch die meisten Rentiergeweihe auftreten. Höher im Profil zeigen die Funde eine leichte Erwärmung und die gefundenen Tiere weisen auf eine Waldinsel-Steppe hin.
Erneute Funde von Rentiergeweihe unterhalb des Bimses und Schneehuhn-Reste deuten eine erneute Abkühlung an, während der Laacher-See-Ausbruch in einer letzten Warmphase (Alleröd) sich ereignete.


Anfang des 20.Jahrhunderts (und auch später) wurde am Wildweiberhaus-Felsen durch den Forstmeister Behlen aus Haiger gegraben und erste Deutungen präsentiert (Behlen, 1905). 1906 und 1954 erfolgten Nachgrabungen durch das Geologisch-Paläontologische Institut Marburg und wurden von Jacobshagen, 1955, ausgewertet. Danach erfolgte meines Wissens keine weitere wissenschaftliche Beschäftigung mehr mit dem Fundmaterial. Funde sind in einer aussagekräftigen Präsentation insbesondere im Heimatmuseum Haiger ausgestellt.
Bei der Durchsicht von quartären Tierresten der Mineralien- und Fossilien-Handlung Krantz/Bonn fiel mir eine Schachtel von Rentiergeweihbruchstücken (Abb. 1) auf, die sich aufgrund des beiliegenden Sammlungs-Zettels (Abb. 2) als Funde vom Wildweiberhaus-Felsen erwiesen. Es ist von mir nicht zu klären, ob die Funde aus der Grabung von Behlen oder aus anderen älteren Grabungen stammen. Vielleicht kann ein Leser die Handschrift zuordnen? Es ist geplant, die „Neufunde“ in absehbarer Zeit einem Museum (vermutlich „Zeitsprünge“, Erdbach) zu übergeben.

*(„urban mining“ meint z.B. die Gewinnung von Metallen aus Elektroschrott)

Literatur:
Behlen, H.(1905): Das Alter des Westerwälder Bimssandes und sein rheinischer Ursprung. – Jb.nass.Ver.Naturk., 58, Wiesbaden
Jacobshagen, V. (1955): Eine spätglaziale Wirbeltierfauna vom Wildweiberhaus-Felsen bei Langenaubach (Dillkreis). – Notizbl. Hess. L.-Amt Bodenforsch., 83, S.32-43, Wiesbaden
Litt, T., et.al. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter und Gegenwart (Quarternary Science Journal), 56/1-2, 7-65, Hannover
Autor: Eberhard Klein, Wuppertal ( www.geotouren.jimdo.com ) [externer Link]


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Anmerkung:

Notiz a.d. Sammlungszettel:  "Fragmente von Geweihstangen einer Zwergform (v. Kaiser Marburg) oder von jungen Tieren von Rangifer tarandus Diluvial Lösshöhle  (prähistorisch) Linné Altweiberhäuschen Langendernbach bei Heiler [ verbessert zu:  "Haiger" ] Dillenburg"  

http://de.wikipedia.org/wiki/Ren
Lösshöhle s. a. Wohnhöhle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Wohnh%C3%B6hle

Diskussion:

Nach dem Schriftbild der beiden Schreiber sicher nicht später als bis zu den 20er Jahren des letzten Jhd. Die benutzte lateinische Schrift (damals nur gelernt in den Mittelschulen) ist hier immer noch von der stark geschwungenen Kurrentschrift geprägt ( s. auch die Buchstaben D,f,t,g,r ). Der 1. Schreiber hat jedoch, so wie es scheint, die Stücke nur inventarisiert, war also nicht "vor Ort", sonst hätte er womöglich "Haiger" richtig geschrieben. Auch wurde "Altweiberhäuschen", offensichtlich von einem Ortskundigen (in weniger flüssigen Handschrift) ergänzt. Auch hier bei diesem 2. Schreiber noch Elemente der Kurrentschrift. Das verbesserte Bleistift-g in "Heiger", ähnelt dem "b" in "Altweiberhäuschen".
Es könnten die beiden Schreiber damals zwischen 50 u. 60 Jahre alt gewesen sein. Demnach wäre es durchaus möglich, dass "Altweiberhäuschen" vom o.g. Forstmeister Behlen aus Haiger  geschrieben wurde oder, dass dieser Zusatz zumindest aus dessen Zeit stammte. Sütterlinelemte (ab 1915-20 in den Schulen) sind in beiden Handschriften nicht zu finden.  - Karl Ludwig Schmidt -

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Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 07.04.12