Mit dem Westerwald-Verein Selters und der GfH Bad Marienberg auf den Spuren des Patroziniums der Dreifeldener Kirche unterwegs

Insgesamt 22 kulturinteressierte Wanderinnen und Wanderer waren der Einladung zur historischen Spurensuche im Bereich der Westerwälder Seenplatte gefolgt. Und das herbstliche Schönwetter war ganz auf ihrer Seite.
Nach der Begrüßung durch Wilfried Göbler (WWV Selters) übernahmen die beiden Wanderführer Dr. Helmut Priewer und Gerhard Hachenberg (beide GfH Bad Marienberg, AK Westerwälder Seenplatte) am Treffpunkt am Dreifelder Weiher die Gruppe.

Der Weg führte zunächst durch Langenbaum in den nordöstlich von Steinebach gelegenen Buchenwald namens „Frauensteinchen“, womit der Reigen der auf das weibliche Geschlecht zurückzuführenden Flurnamen eröffnet war: „Frauwiese, Ober der Frauwiese, Frauenwiesenberg, Liebchesgarten, Am Liebchen“. Einer Erzählung nach lieferte das „Frauensteinchen“ das Baumaterial für den Bau der Steinebacher Burg, die es als nächstes zu besuchen galt. 
Leider sind nur noch der Turmstumpf mit hochgotischem Torbogen der einstigen Wasserburg erhalten, wobei sich in einem benachbarten Hügel noch weitere Reste der „Motte“ befinden könnten. Auch hier sind es Frauen, die der Burg Unsterblichkeit verleihen. Wir alle kennen die Sage vom „Ritter von Steinebach“, der, weil er seine Frau für tot hielt, mit einer Sultanstocher aus dem Morgenland heimkehrte. Alle drei lebten fortan glücklich miteinander ohne jegliche Eifersucht. 
Dann hieß es, den Weg in Richtung „Heiligenborn“ einzuschlagen. Eine Quelle, die der Sage nach Pilgern aus Köln auf ihrer Wallfahrt zur
Dreifaltigkeitskirche in Dreifelden Erfrischung spendete. Später nutzten Bewohner aus Steinebach diese Quelle zum Kühlen ihrer Butter an heißen Sommertagen. Heute markiert den Standort der Quelle eine Skulptur des Steinebacher Skulpturenparks. Und wie Gerhard Hachenberg, ein Mitinitiator des Parks, zu berichten wusste, handelt es sich um fünf Skulpturen, die die kulturelle Identität der von der Wied geprägten Talaue widerspiegeln.

Der Zusammenhang aller bei der Wanderung besuchten Orte wurde erst im anschließend Vortrag über das ehemalige Patrozinium (lat. patrocinium = Schutz) der Dreifeldener Kirche durch Dr. Helmut Priewer im „Haus am See“ des Dreifelder Weihers deutlich. Es gibt bisher keine Urkunde, die das Patrozinium im Klartext nennt. Umso sorgfältiger gilt es, jene Textquellen zu bewerten, die Hinweise darauf geben.
Der erste Dreifeldener Pfarrer, Wilhelm Simon Caesar (ab 1756), berichtet uns, dass die Dreifeldener Kirche dem Abgotte Maussin zu Ehren scheinet errichtet worden zu sein,wobei mit „Maussin“ im Dreifeldener Dialekt
Maximin gemeint sein könnte. Aber auch die 1476 gegossene und der Heiligen Katharina von Alexandria
geweihte Glocke in Dreifelden könnte ein Hinweis auf ein Katharinenpatrozinium sein.
Die Häufung der Flurnamen mit deutlichem Bezug zum weiblichen Geschlecht, wobei es sich um ehemaliges Kirchengut gehandelt haben könnte, lassen eher den Schluss auf das Marienpatrozinium zu.
Und nach der Gründungssage der Dreifeldener Kirche wurde der Erbauer durch den dreifaltigen Gott aus türkischer (muslimischer) Gefangenschaft im fernen Morgenland gerettet, weshalb er aus Dankbarkeit Gotteshäuser in
Dreifelden (zum Gedächtnis der Heiligen Dreifaltigkeit), Helferskirchen und Nordhofen erbauen ließ.
Damit schloss sich der Kreis der möglichen Patrozinien. Die bis 1756 zum Kirchspiel Rückeroth gehörende Dreifeldener Kirche ist  heute eine der ältesten Kirchenbauten im Westerwald. Ihr Alter und ihre Zugehörigkeit in vorreformatorischer Zeit zur Erzdiözese Trier lassen die Vermutung zu, dass sie dem heiligen Trierer Bischof Maximin zum Schutze anempfohlen war, dem auch die frühere Roßbacher Kirche geweiht war.

Dr. Priewer kündigte am Ende seines interessanten Vortrages an, die Forschungsergebnisse zum Patrozinium der Dreifeldener Kirche in der „Wäller Heimat“ zu veröffentlichen, was von uns allen mit Spannung erwartet wird.

Bild (Steinebacher Burgruine und Teilnehmer) und Text von: Wilfried Göbler



Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald - Verein